06.02.2010 | Alter: 2 yrs
| Von: Martina Brueske
Offen gesagt, meine Mutter hat mich ganz früher immer davor gewarnt, in einem fremden Land auf eigene Faust los zuziehen, aber wir waren heute Abend ja zu Dritt, als wir uns aufgemacht haben, um die Entfernung zwischen dem Ghantoot Polo Club und dem Cassells Hotel zu messen, aber davon später mehr…. Heute sirrte die Luft schon wieder über Abu Dhabi, allerdings aus ganz anderen Gründen. Nationenpreis! Leute im Stadion, das zwar von ausverkauft deutlich entfernt war, gleichwohl ordentlich besucht in einem Land, dessen Bürger sich für Pferderennen und Polo begeistern können.
Ganze Familienverbände machen es sich auf der Tribüne gemütlich und in der Zeltstadt, purzeln kleine Besucher vergnügt durcheinander. Die Ausstellung für sich ist schon interessant, denn in langer Linie zwischen den Zelten links und rechts prangt eine Reihe üppig eingedeckter großer Tische mit hellblauer Decke und dunkelblauem Überwurf mit Fransen. In gleichem Farbton Hussen über den Stühlen. Es ist – wenn Starbucks und man selbst es will – denkbar einfach, prachtvoll Kaffee zu genießen. Überhaupt Starbucks – es gibt wohl keine Fastfood oder Coffee-Kette, die nicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu finden ist. UAE ist überall ein Mix. Modern und westlich gekleidete Männer, Frauen und Kinder ebenso wie traditionell gekleidete Menschen – alles flitzt und schwatzt munter durcheinander. Auf der Tribüne wandert eine von Kopf bis Fuss in schwarz gehüllte Frau vor sich hin schimpfend die Treppe hoch und runter, weil der – übrigens supermoderne -  Laptop auf ihrem Arm es nicht tun will. Sheika Latifa, die Nichte des Regierungschefs von Dubai saust derweil auf dem Motorroller flott durch die Ausstellung und sieht aus wie jeder x-beliebige europäische Teenager.
Am Besuchereingang der Ausstellung prangt ein schlichtes, zu einer Seite komplett offenes Zelt, davor zwei Falken, die offenbar zur Jagd verwendet werden und mich arrogant anstarren – königliche Vögel eben. Daneben stehen filigrane Gebäude mit aus Gräsern geflochtenen Dächern und Wänden und Zwischenwänden. Frauen sitzen darin, schwarz gewandet mit einer kunstvollen Maske im Gesicht und kochen.
Das freut den europäischen Betrachter weniger, ich sehe eben gern die Augen, die Gesichter von Menschen. Vorsichtig frage ich, ob ich ein Foto machen darf und ernte Gelächter. Ja klar – „take a photo“. Im großen Zelt frage ich einen Mann, wie Zelte und Hütten früher verwendet wurden und er bittet sofort seine Frau, mit mir zu sprechen, sein Englisch sei nicht so gut. In flüssigem Englisch perlen Erklärungen auf mich nieder und dann werde ich ausgefragt. Ob ich je in Ägypten war? Nee. Dann dämmert`s mir, lauter Ägypter hier und die ganze Hütten- und Zeltgeschichte ist wie eine Szenerie auf einem Volksfest. ….
Stunden später ist der Nationenpreis entschieden, Großbritanniens Equipechef Tim Stockdale äußerst begeistert und das UAE-Team entschieden aufgeregt: Pressekonferenz! Vierte sind sie geworden und ein wenig schüchtern. Erst Nachfragen der arabischen Kollegen fördert zutage, dass die Sportprominenz um sie herum offenkundig beeindruckend ist. „Ich war acht Jahre alt, als Ulrich Kirchhoff Doppel-Olympiasieger geworden ist und habe das im Fernsehen gesehen….,“ gesteht Mohamad Al Hajri ein. Da muss auch der Generalsekretär schmunzeln.
So good, so far. Im Pressezelt macht sich emsige Betriebsamkeit breit, denn die Kollegen in Europa warten auf mehr als Meldungen. Aber dann quittiert das wireless-Lan den Dienst auch Kabelverbindungen funktionieren nicht. Der Router wurde runtergesetzt, weil alle das Gelände verlassen. Bis wir unsere Technik eingepackt haben, ist auch die letzte Chance auf einen Shuttle vertan. Let`s walk! Na gut, fremdes Land, aber mildes Klima und wir sind ja zu Dritt. Nix als Straße und Palmen am Rand und immer mal wieder ein Kreisverkehr, in der Ferne leuchtet das Cassells Hotel – sehr schön leuchtet es, denn es war ja mal ein Palast. Auf fast halber Strecke knattert ein Quad mit einem Mann in langem weißem Gewand an uns vorbei. Er kontrolliert irgendetwas am Straßenrand und holt uns dann wieder ein und hält. So ginge das nicht, erklärt er, wir sollten uns auf das Quad setzen, das würde schon passen.  Und ob wir ins Cassells oder ins Golden Tulip wollen? Klar wollen wir ins Cassells und wir sind ja zu Dritt. Christa  aus den Niederlanden klemmt sich direkt hinter den Fahrer, Yannoulan und ich sitzen ganz hinten. Vorsichtig setzt sich das Gefährt in Bewegung und stoppt nach etwa 700 Metern am linken Straßenrand. Was jetzt? Unser Chauffeur zeigt auf ein großes Loch im Drahtzaun, 100, 200 Meter dahinter liegt das Hotel. Shamud heißt unser Fahrer und er erklärt uns, dass wir auf der Rückseite des Cassells gelandet sind. Erst jetzt dämmert uns, dass wir am ersten Kreisverkehr in die falsche Richtung getrottet sind und das hätte noch ein laaanger Marsch werden können. „Explore our agriculture“, rät Shamud lachend, winkt und dreht um. Inshalla !
Ein Bild von Dirk Flotow, daß Mario STevens und Mac Kinley im Nationenpreis zeigt:
| Von: Martina Brueske
Reisebericht Abu Dhabi 4 – Von Ägyptern, Nationenpreisen und Abenteuern
Von Martina BrueskeOffen gesagt, meine Mutter hat mich ganz früher immer davor gewarnt, in einem fremden Land auf eigene Faust los zuziehen, aber wir waren heute Abend ja zu Dritt, als wir uns aufgemacht haben, um die Entfernung zwischen dem Ghantoot Polo Club und dem Cassells Hotel zu messen, aber davon später mehr…. Heute sirrte die Luft schon wieder über Abu Dhabi, allerdings aus ganz anderen Gründen. Nationenpreis! Leute im Stadion, das zwar von ausverkauft deutlich entfernt war, gleichwohl ordentlich besucht in einem Land, dessen Bürger sich für Pferderennen und Polo begeistern können.
Ganze Familienverbände machen es sich auf der Tribüne gemütlich und in der Zeltstadt, purzeln kleine Besucher vergnügt durcheinander. Die Ausstellung für sich ist schon interessant, denn in langer Linie zwischen den Zelten links und rechts prangt eine Reihe üppig eingedeckter großer Tische mit hellblauer Decke und dunkelblauem Überwurf mit Fransen. In gleichem Farbton Hussen über den Stühlen. Es ist – wenn Starbucks und man selbst es will – denkbar einfach, prachtvoll Kaffee zu genießen. Überhaupt Starbucks – es gibt wohl keine Fastfood oder Coffee-Kette, die nicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu finden ist. UAE ist überall ein Mix. Modern und westlich gekleidete Männer, Frauen und Kinder ebenso wie traditionell gekleidete Menschen – alles flitzt und schwatzt munter durcheinander. Auf der Tribüne wandert eine von Kopf bis Fuss in schwarz gehüllte Frau vor sich hin schimpfend die Treppe hoch und runter, weil der – übrigens supermoderne -  Laptop auf ihrem Arm es nicht tun will. Sheika Latifa, die Nichte des Regierungschefs von Dubai saust derweil auf dem Motorroller flott durch die Ausstellung und sieht aus wie jeder x-beliebige europäische Teenager.
Am Besuchereingang der Ausstellung prangt ein schlichtes, zu einer Seite komplett offenes Zelt, davor zwei Falken, die offenbar zur Jagd verwendet werden und mich arrogant anstarren – königliche Vögel eben. Daneben stehen filigrane Gebäude mit aus Gräsern geflochtenen Dächern und Wänden und Zwischenwänden. Frauen sitzen darin, schwarz gewandet mit einer kunstvollen Maske im Gesicht und kochen.
Das freut den europäischen Betrachter weniger, ich sehe eben gern die Augen, die Gesichter von Menschen. Vorsichtig frage ich, ob ich ein Foto machen darf und ernte Gelächter. Ja klar – „take a photo“. Im großen Zelt frage ich einen Mann, wie Zelte und Hütten früher verwendet wurden und er bittet sofort seine Frau, mit mir zu sprechen, sein Englisch sei nicht so gut. In flüssigem Englisch perlen Erklärungen auf mich nieder und dann werde ich ausgefragt. Ob ich je in Ägypten war? Nee. Dann dämmert`s mir, lauter Ägypter hier und die ganze Hütten- und Zeltgeschichte ist wie eine Szenerie auf einem Volksfest. ….
Stunden später ist der Nationenpreis entschieden, Großbritanniens Equipechef Tim Stockdale äußerst begeistert und das UAE-Team entschieden aufgeregt: Pressekonferenz! Vierte sind sie geworden und ein wenig schüchtern. Erst Nachfragen der arabischen Kollegen fördert zutage, dass die Sportprominenz um sie herum offenkundig beeindruckend ist. „Ich war acht Jahre alt, als Ulrich Kirchhoff Doppel-Olympiasieger geworden ist und habe das im Fernsehen gesehen….,“ gesteht Mohamad Al Hajri ein. Da muss auch der Generalsekretär schmunzeln.
So good, so far. Im Pressezelt macht sich emsige Betriebsamkeit breit, denn die Kollegen in Europa warten auf mehr als Meldungen. Aber dann quittiert das wireless-Lan den Dienst auch Kabelverbindungen funktionieren nicht. Der Router wurde runtergesetzt, weil alle das Gelände verlassen. Bis wir unsere Technik eingepackt haben, ist auch die letzte Chance auf einen Shuttle vertan. Let`s walk! Na gut, fremdes Land, aber mildes Klima und wir sind ja zu Dritt. Nix als Straße und Palmen am Rand und immer mal wieder ein Kreisverkehr, in der Ferne leuchtet das Cassells Hotel – sehr schön leuchtet es, denn es war ja mal ein Palast. Auf fast halber Strecke knattert ein Quad mit einem Mann in langem weißem Gewand an uns vorbei. Er kontrolliert irgendetwas am Straßenrand und holt uns dann wieder ein und hält. So ginge das nicht, erklärt er, wir sollten uns auf das Quad setzen, das würde schon passen.  Und ob wir ins Cassells oder ins Golden Tulip wollen? Klar wollen wir ins Cassells und wir sind ja zu Dritt. Christa  aus den Niederlanden klemmt sich direkt hinter den Fahrer, Yannoulan und ich sitzen ganz hinten. Vorsichtig setzt sich das Gefährt in Bewegung und stoppt nach etwa 700 Metern am linken Straßenrand. Was jetzt? Unser Chauffeur zeigt auf ein großes Loch im Drahtzaun, 100, 200 Meter dahinter liegt das Hotel. Shamud heißt unser Fahrer und er erklärt uns, dass wir auf der Rückseite des Cassells gelandet sind. Erst jetzt dämmert uns, dass wir am ersten Kreisverkehr in die falsche Richtung getrottet sind und das hätte noch ein laaanger Marsch werden können. „Explore our agriculture“, rät Shamud lachend, winkt und dreht um. Inshalla !
Ein Bild von Dirk Flotow, daß Mario STevens und Mac Kinley im Nationenpreis zeigt:











